Ein Konzert zu Ehren der heiligen Cäcilia

Der Förderkreis der Illertisser Kirchenmusik feiert seinen 25. Geburtstag mit einem Abend, der wohl vielen in Erinnerung bleiben wird.

Die frühchristliche Märtyrerin Cäcilia gilt gemeinhin, wenn auch letztendlich einem Transkriptionsfehler geschuldet, als Patronin der Kirchenmusik. Hierdurch erklärt sich die Vielzahl, dieser Heiligen gewidmeten musikalischen Werke, so auch die namensgebende „messe solennelle en l‘honneur de Sainte-Cécile“ (feierliche Messe zu Ehren der heiligen Cäcilia), des französischen Komponisten Charles Gounod. Zusammen mit der nicht weniger bekannten Orgelsymphonie seines Landsmannes Charles Camille Saint-Saëns feierte am Samstagabend der Illertisser Förderkreis für Kirchenmusik und klassische Musik sein 25-jähriges Bestehen.

Wohl nichtzufällig legten die Initiatoren die Festveranstaltung in die Woche des Gedenktages der Cäcilia, der am 22. November begangen wird. Über 120 Mitwirkende waren es schließlich, die ein grandioses Hörerlebnis im von Zuhörern gefüllten Kirchenraum darboten. Bedenkt man, dass es sich – von wenigen Ausnahme abgesehen – um keine Berufsmusiker handelt, die in den über eineinhalb Stunden aus dem Vollen ihrer Künste schöpften, mag man dem Förderkreis zugestehen, das selbst gesteckte Ziel erreicht zu haben. Dieses, so der Vorsitzende Hans Scherrer, bestehe darin, Voraussetzungen zu schaffen um für den eigenen musikalischen Nachwuchs pädagogisch wirksam sein zu können. Beim Anklang der ersten Instrumente unter dem Dirigenten Markus Hubert ahnte der Besucher bereits die Möglichkeiten, die sich in Kürze im Kirchenraum entfalten würden.

Zunächst verwundert, dass sich in der Orgelsymphonie die Königin der Instrumente vornehm zurückhielt, mitunter gar nicht subjektiv wahrnehmbar war, setzte deren Auftritt zu Beginn des letzten Satzes einen fulminanten Akzent. Feierlich, geradezu sakral und in einem perfekt inszenierten Einklang mit dem Orchester. Die Töne im Raum oszillierten in ihrer edelsten Form, entwickelten ein ungeahntes Volumen, was neben dem künstlerischen Perfektionismus nicht zuletzt auch der Architektur des Kirchenschiffs zu verdanken war. In einer gotischen Kathedrale wäre dieses intime Zusammenspiel nicht möglich.

Die Kraft, die zusammen mit der Harmonie eine grandiose Symbiose einging, war allenthalben spürbar. Manch Konzertsaal einer größeren Stadt würde womöglich vor Neid erblassen. Bei der nachfolgenden Cäcilienmesse ergänzten drei Solisten die konzertante Darbietung. Anita Anzinger (Sopran), Gábor Molnár (Tenor) sowie der kurzfristig eingesprungene Manuel Wiencke (Bass) überzeugten in der Folge sowohl durch Stimmvolumen als auch durch Ausdruck. Perfekt abgestimmte Übergänge zwischen den einzelnen Sängern und des Chores rundeten die empathisch vermittelten Passagen vom Kyrie eleison bis zum Dominae Salvam ab. In diesem Ambiente, in dem alles klingt, tönt, widerhallt, präsentierte sich das Dargebotene als ein Fest der musikalischen Anbetung. Obwohl die beiden Kompositionen nur 30 Jahre auseinanderliegen, könnten sie unterschiedlicher nicht ausfallen. Hier der noch tief in der Romantik verwurzelte Gounod, der statt Musiker zunächst Priester werden wollte. Auf der anderen Seite sein persönlicher Freund Saint-Saëns, um vieles nüchterner, klassizistischer. Seltsamerweise wurden beide Franzosen eben nicht durch ihre fulminanten, in der Stadtpfarrkirche vorgetragenen Werke berühmt, sondern durch heute eher differenziert gesehene Kompositionen. Gounods „Ave Maria“ sowie Saint-Staëls „Karneval der Tiere“ waren es, die das zeitgenössische Publikum eher ansprachen als ihre künstlerisch wertvolleren Folgestücke.

Am Ende erhielten die Musiker minutenlangen Applaus. Orchester, Solisten und Kirchen- sowie Kammerchor zeigten sich ob dieser Begeisterung sichtbar angetan. Allein wäre es der Stimmung nicht abträglich gewesen, hätte man die Beleuchtung im Kirchenschiff gedämmt. Scherrers Fazit: „Das ist das was Kirche ausmacht: Das Miteinander. Nicht die Negativschlagzeilen, die man allenthalben liest.“

Illertisser Zeitung, 26.11.18