Majestätische Spielfreude in der Neujahrsnacht

Michael Bischof und Andreas Weil bieten ihren Zuhören in St. Martin in Illertissen ungewohnte Akzente. Was es zu erlaben gab.
Zu einer besonderen Silvester-Nacht gehören nicht nur Festmenü und Feuerwerk, sondern auch ein außergewöhnliches Klangerlebnis: Als Solches hat sich erneut das Silvesterkonzert in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Illertissen erwiesen. Obwohl die von den Freunden und Förderern von Kirchenmusik und klassischer Musik organisierte Veranstaltung bereits zum 38. Mal stattfand, hat sie nichts an ihrer Einmaligkeit verloren. Denn Michael Bischof und Andreas Weil verstehen es jedes Jahr wieder, mit der beliebten Kombination Trompete und Orgel neue Akzente zu setzen.
Viele Besucher in der Kirche St. Martin
Eine stattliche Besucherschar nutzte denn auch die Gelegenheit, kurz vor dem Jahreswechsel eine meditative Stunde bei einem tollen Klangerlebnis zu genießen. Das majestätisch-lebendig von der Empore schallende „Konzert D-Dur“ von Georg Philipp Telemann, das mit seinen schnellen Allegro-Teilen und den hohen Tönen dem Trompeter viel abverlangte, versprühte eine festliche Stimmung. Und in Henry Purcells farbenfroher „Suite pour Trompette et Orgel“ erkannten wohl auch Besucher, die die beiden Solisten noch nie gehört hatten, was für vorzügliche Künstler da musizierten, wie strahlend die Trompete von Michael Bischof klingen kann und wie reich an klanglichen Wendungen das Orgelspiel von Andreas Weil ist. Dazwischen ließ der Organist mit bewundernswertem Geschick die „Fuge g-Moll“ von Marcel Dupré mächtig durch den Kirchenraum klingen. Dank einer breiten Registervielfalt und einer bis aufs Kleinste ausgeklügelten Registrierung war die Orgel in Robert Schumanns Komposition „aus den vier Skizzen“ in ganz anderen Farben wie in den regelmäßigen Gottesdiensten zu hören.
Klangräume in der Kirche: Phänomenal
Bei „La Gioia – Musik im Raum“ konnten die Besucher in der Martinskirche ein modernes Werk des Schweizer Komponisten Claude Rippas erleben. Phänomenal mutete es an, wie Michael Bischof dabei neue Klangräume förmlich zu erobern schien. Das ganze Gotteshaus wurde zum Konzertsaal: Bischof begann mit der gedämpften Trompete im Altarraum, zart begleitet von der Orgel, wechselte mit dem Flügelhorn ins hintere Kirchenschiff und ließ die Piccolo-Trompete wieder von der Empore schallen. In einer aus eigener Feder stammenden Interpretation über das Weihnachtslied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ entlockte Organist Weil dem königlichen Instrument eine unglaubliche Vielfalt an effektvollen Klangvariationen – so als ob der Musiker viel mehr als zehn Finger und zwei Füße besitzen würde. Die Zuhörer konnten die bekannte Melodie manchmal nur schemenhaft, dann wieder klar und deutlich erkennen.

Mit überschäumender Spielfreude und profunder Interpretationskunst, unterstützt von der hervorragenden Akustik der Kirche, interpretierten die beiden Musiker zum Abschluss dann das „Konzert in D-Dur“ von Gottfried Heinrich Stölzel. Anhaltender Applaus und Charpentiers strahlendes „Te Deum“ als Zugabe beendeten eine bei vielen noch nachklingende kirchliche Silvesterstunde.

Claudia Bader, Illertisser Zeitung (02.01.19)